„Freiheit ist anstrengend.“
Freiheit im Licht ihrer aktuellen Gefährdungen
Mit der Aufklärung wird Freiheit eine Idee mit breitester Wirkung. Die Wurzeln jedoch reichen erheblich tiefer. Die Geistesgeschichte des Abendlandes könnte mit dem Freiheitsbegriff in seinen verschiedenen Facetten einen tragfähigen cantus firmus markieren. Während die paulinische eleutheria wesentlich kultische Freiheit beschreibt, fasst die Reformation den Begriff bereits deutlich weiter. Die bürgerliche Freiheit westlicher Prägung findet ihre Fundamentierung bei Kant und den neuzeitlichen Staatstheorien. Von den Diktaturen des 20. Jahrhunderts abgesehen war individuelle Freiheiten nie zuvor so selbstevident. Umso überraschender und verwirrender muss der Aufstieg freiheitsfeindlicher Parteien in den westlichen Demokratien wirken. In Sachsen-Anhalt ist dabei aktuell die Gefahr virulent, eine reaktionäre Partei könne eine Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen. Der Vortrag soll eher feuilletonistisch einige wenige Wurzeln der Freiheit in Erinnerung rufen und eine Erklärung wagen, was wenigstens in der mitteldeutschen Lebenswelt die Attraktion eines inhaltsleeren, aber freiheitsfernen Politikkonzeptes sein könnte. Dabei muss jedoch deutlich werden, dass eine wiederkehrende Reduktion der Fragestellung auf ein überkommenes Ost-West-Schema eindeutig unterkomplex ist. Beherztes Eintreten für die Freiheit – nicht nur eines Christenmenschen – ist das Gebot der Stunde. Dazu gehört auch solide Selbstvergewisserung zum Thema.